Wie's Gescherr ist oft lange nicht der Herr

Manchmal ist es zum Haareraufen, nichts will gelingen! Man macht und tut, bis das Hündchen letztlich beschließt, fortan ein Engels­gesicht aufzusetzen - aber nur, so lange es nicht sein Herrchen oder Frauchen am anderen Ende der Leine sieht. Wird die Regie zurück an die eigene „Familie“ delegiert, ist es aus und vorbei mit dem Gehorsam. Aggressiv geht der Racker wieder gegen alles, was sich bewegt. In Windeseile tauscht er den Heiligen­schein gegen Hörner zwischen den Ohren, je nachdem wer es ist, der sich über ihn erheben möchte. Es ist schon erstaunlich, wie fix das passiert!

Und welche Erklärung lässt sich dafür finden? „Ja, der nimmt dich halt nicht für voll! So einfach ist das.“ Tja, so einfach ist das tatsächlich. Ausnahmsweise ist es gleichermaßen simpel wie wahr. „Daneben“ benimmt sich in meiner Gegenwart nur, wer keine Achtung vor mir hat.

Aber wie kommt es, dass es manchem so gar nicht gelingen mag, seinem Hund etwas Respekt abzunötigen?

Hier scheint mir das eigentliche Problem zu liegen: Es kann eine Ideologie sein, die es ihm verwehrt, sich seinem Hund von einer überlegenen Position aus zu nähern, oder aber es fällt ihm generell schwer, sich im Leben zu behaupten. Diese Menschen haben nicht nur bei Artgenossen häufig das Nachsehen, sondern auch bei ihren Hunden. Wie sollte es auch anders sein? Führungs­qualität setzt voraus, dass ich mich durchsetzen kann. Und manchmal ist es ein Hund, der mich zwingt, dies zu lernen.

Interessant erscheint mir auch der Gedanke der Projektion. Psychologen wissen um die Muster, welche uns Menschen auf der Suche nach einem Partner steuern. Projektion spielt dabei eine entscheidende Rolle. Man sucht im anderen gern das, was man in sich selbst abgespalten und damit nach „außen“ verlagert hat. Mein Partner lebt damit diesen Teil für mich. Hunde müssen davon nicht ausgenommen sein. Wer Aggres­sionen so gar nicht als zu sich gehörig empfindet, sich vielleicht davon distanziert, zieht unter Umständen solche Hunde an, die dies dafür um so stärker ausleben. Das mag graue Haare verursachen, hat aber auf der seelischen Ebene schon seine Richtigkeit.

Wie's Gescherr ist oft lange nicht der Herr oder umgekehrt.

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