Weltcup der Vierspänner in Stuttgart – es geht um Pferde …

„Vierer­zug­fahren auf Zeit - na flott wird’s schon sein!“, dachte ich mir. „Bestimmt ist es weniger gut besucht, Fahren ist schließlich nicht so populär.“ Denkste! Die riesige Schleyer-Halle füllt sich an diesem November­nach­mittag deutlich. Wir bekommen beim Aufwärmen in der Porsche-Arena einen kleinen Vorgeschmack darauf, was gleich im Tunier abgehen wird. Holla, sausen die Kontra­henten durch's Rund!

Es geht los. Das erste Gespann fährt zügig ein. Es wird vorgestellt und begibt sich im Trab zum Start. Husch – wie wenn ein Wind hineinfährt – jagen die flinken Lippiza­nerchen los. Dazu wird die Musik aufgedreht, dass einem gleich die Ohren abfallen. Der heiße Rhythmus peitscht das Gespann voran und das Publikum benimmt sich wie im Zirkus. Es wird geschrien, getrampelt, gelacht und frenetisch geklatscht. Dickbäuchige Männer springen begeistert auf und grölen: „Koooooomm, Michi!“ Mir fällt ein alter Reiter­spruch ein: Wer zu dick ist zum Reiten, landet beim Fahren …

Die Halle tobt. Ist das ein Vergnügen! Im rasanten Galopp geht’s rumpelnd über die Brücke, eng sind die Kurven, wahnsinnig eng. Die roten Signalkegel mit auflie­genden Bällen dürfen eigentlich nicht berührt werden. Och, wer volles Risiko geht, fährt sie nicht selten gleich richtig platt.

Hinten auf der Kutsche steht immer noch einer, der sich weit rauslehnend in den schnittig gefahrenen Kurven als Gegengewicht hergibt. Hoch spritzt der Sand, wenn die wilde Post die Richtung wechselt. Wie sich die Pferde, oft ein wenig schubsend in der Eile, so fantastisch um die engen Hindernisse fädeln – phänomenal! Hoch ist die Galoppade, weit aufgerissen sind die Nüstern. In einem Affenzahn rennen die Rösser durch den Parcours!

Und so schreie ich, klatsche und werfe mich auf meinem Stuhl aufgeregt nach rechts oder links, um die Kutsche doch noch am Kegel vorbei­zu­kriegen. - Ich benehme mich ebenfalls wie im Zirkus! Dass es so aufregend wird, konnte ich ja nicht ahnen. Der alte Reiter­spruch, nur Dicke landen beim Fahren, greift offensichtlich zu kurz. Ich liebe es! Fahren auf Zeit ist was ganz Fetziges, und nächstes Jahr bin ich wieder dabei, beim Weltcup der Vierspänner in Stuttgart!

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