Abschied

Besuch bei einer Freundin. Oft sehe ich sie nicht, denn viele Kilometer liegen zwischen uns. Vergangenen Herbst brachte ich Kenny, dem kleinen gescheckten Rabauken, ein paar Manieren bei. Gut hat er sich entwickelt. Immer noch frech wie eine Wanze, aber steuerbar ist er. Er ist der jüngere der beiden Hunde auf dem Hof am Mindelsee.
„Lenny geht es schlecht“, sagt meine Freundin. Ich fühle einen kleinen Stich in der Brust. Ihn mochte ich besonders, den 14 Jahre alten Berner-Sennen-Mischling, der eine Seele von Hund ist.

Ja, ich weiß, dass seine Zeit abläuft. Immer häufiger winselt er vor Schmerzen, wenn ihm die Hüfte beim Aufstehen wehtut. Im Oktober begleitete er uns noch auf einstündigen Spazier­gängen. Daran ist nicht mehr zu denken. Das Herz wird mir schwer, denn es wird das letzte Mal sein, dass ich ihn sehe. Vorbehaltlos freundlich blicken mich seine Augen an und wie stets kommt er, sich kraulen zu lassen. Selten traf ich einen Hund, der den Menschen so zugewandt ist.

Ja, er hatte ein schönes Leben und kann in Ruhe gehen. Einen kurzen Augenblick bin ich froh darüber, dass mein alter Hund mittlerweile nicht mehr lebt. Schwer sind die Zeiten, wenn der Tod naht. Aber ich mache mir keine Sorgen um meine Freundin. Sie wird es gut bewältigen. Und Kenny, der gescheckte Räuber, kann fortan den Hof alleine regieren.

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